Unsere Haltung

„Mögen Sie mich noch, Frau Herbst?“

Es gibt wunder-volle Momente im Leben, die unsere Augen und unser Herz öffnen können. Vor zehn Jahren stand ich in meiner fünften Klasse und gab die korrigierte und benotete Deutscharbeit an meine Schüler zurück. Als ich am Ende der Unterrichtsstunde meine Sachen zusammenpackte, kam ein Schüler zu mir ans Pult und fragte mich mit leiser Stimme: „Mögen Sie mich noch, Frau Herbst?“ Noch heute – und während ich diese Zeilen schreibe – steigen mir Tränen in meine Augen, wenn ich von dieser Erfahrung erzähle. Mit der roten Fünf auf seiner Deutscharbeit war er sich nicht mehr sicher, ob ich ihn überhaupt noch mögen konnte.

Eine lange Zeit der quälenden, inneren Auseinandersetzung rund um Benotung folgte für mich und uns. Am Ende war uns klar, dass wir niemals faire Noten geben können. Es gibt keine fairen Noten. Endlich konnten wir aufhören, uns um die Notengebung zu kreisen. Jetzt waren wir frei, auf das Kind zu blicken!

Rückblickend war diese Zeit ein großes Glück! So schenkte uns das Leben tiefe EINSICHT mit vielen Augen- und Herzensöffnern. Unser Blick auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wandelte sich zum Herzensblick.

Damit leuchtete ein Leitstern in uns auf, eine ABSICHT, mit welcher inneren Haltung wir den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen begegnen wollen, die wir begleiten und die uns anvertraut sind … als Lehrer, als Paten, als Tante und Onkel.

  • Ich sehe dich.
  • Ich habe Zeit für dich.
  • Du bist gut.
  • Du bekommst die Zeit, die du brauchst.
  • Ich bin für die Verbindung zu dir verantwortlich.
  • Ich bin bereit, dich immer wieder neu kennenzulernen.
  • Ich kümmere mich um deine Sicherheit.
  • Ich sorge für dein körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden.
  • Bei mir bist du sicher.
  • Ich bin klar, führe dich, gebe dir Grenzen und Freiheit.
  • Ich liebe dich so wie du bist, bedingungslos.
  • Ich habe als Erwachsener eine heilige Aufgabe.

Zum Glück dachte das Leben auch daran, uns zu „schulen“, damit wir ins TUN kommen. Es sorgte dafür, dass zu unserer reichen Erfahrung das Wissen kam, das wir brauchten. Das Leben ist wunder-voll!